Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wurzeln geben eine enorme Standfestigkeit, jedoch nur auf geeignetem Untergrund.
Leben spielt sich unterschiedlich an verschiedenen Orten. Vorhersagen bis 70kn in Orkanstärke sind jetzt prognostiziert in jener Region, wo wir vor einer Woche segelten. Dieser ausgesetzte Küstenstreifen war mir (David) bewusst und ich spürte, dies ist kein Ort für längere Pausen um diese Jahreszeit.
Doch auch dort gibt es den richtigen Ort. Wir hatten bereits einen ausgesucht für alle Fälle. In einem Fjord in einem schmalen Einschnitt mit Landleinen gesichert. Jedoch gehen wir lieber wandern als im schräghängenden Schiff zu sitzen und dem Geschrei zu lauschen.
Und so packt uns das Wanderfieber. Quer über die Bucht flitzt das Beiboot mit uns zu einem guten Ausgangspunkt für die Erklimmung von einem 607m hohen Berg. Der Blick ist aufmerksam ins Wasser gerichtet um durch das unkartografierte Gebiet zu navigieren. Das Beiboot wird mit Heckanker geankert, leicht an Land gezogen und mit Leinen am Ufer befestigt. Bei der Rückkehr geschätzte 5h später wird es durch die Flut vollständig im Wasser schwimmen.
Geschnitzte, hölzerne Wegweiser zeigen den Weg zum Gipfel.
Kurz vor dem Top kommt sogar der erste Wanderer in diesem Jahr entgegen. Die Sonne wird bald untergehen. Eine Weite und Vielfältigkeit eröffnet sich oben auf dem Berg. Am Horizont verschneite Berge und das Meer getaucht in eine Abendfärbung.
Ein imposanter Perspektivenwechsel, da normalerweise unser Blick vom Wasser aus geht.
Allzulange lädt der Ort nicht ein zu verweilen, Wind und die langsam aufziehende Dunkelheit fordern uns den Weg 607m nach unten anzutreten. Auch der Nebel schleicht schon um einige Schneeberge.
Steinmännchen markieren den Weg und doch fällt es oft schwer diesem zu folgen.
Der erste Landgang seit 10 Tagen, wie uns am Abend auffällt. Die letzten Tage sind wir immer gesegelt und über Nacht geankert. Es tut gut zu wissen, dass wir die nächsten Tage an einem Ort verbringen werden. Wir freuen uns auf andere Projekte. Die Freude liegt stets im Wechselspiel, das Halten des Einen entspricht nicht dem Wandel des Lebens.
In stockdunkler Nacht fahren wir wage zwischen den Untiefen nach Hause, als plötzlich die ersten heftigen Böen vom angekündigten Sturm einsetzen. Kräftig bläst es uns aus dem Kurs. Und die Frage kommt auf, wie viel stärker muss wohl der Wind wehen um uns mit dem gesamten Beiboot zu überkehren. Eine ziemlich unangenehme Vorstellung.
Schließlich taucht die Aroha im Licht der Lampen auf. Und wir sind froh, diese doch unangenehme Passage hinter uns zu haben.
Da der Sturm schon durch die Gegend bläst, geht es ohne Pause weiter, um im Dunkeln eine Landleine in einem besseren Winkel anzubringen sowie eine weitere hinzuzufügen. Verrückte Bedingungen in Sturmböen in der Nacht zwischen Steinen und Leinen im Wasser herumzufahren, um das Boot final für den Sturm vorzubereiten.
Total übermüdet von dieser Arbeit und dem vorangegangenen Marsch kriechen wir schlussendlich ins kalte Boot und machen uns daran ein Holzfeuer zu entfachen.
Ein verrückter Tag geht in eine böige Nacht über. Hin und wieder knirschen die Landleinen, die von den Böen stramm gezogen werden. Wir sind all den Bäumen und Steinen dankbar, die uns auf Position halten und uns einen erholsamen Schlaf ermöglichen.
Wurzeln geben eine enorme Standfestigkeit.












