Grosse, bunte Lebensbilder in Gesprächen malen – die Energie vom Zusammensein.
Regen – die Tropfen klöpfeln an Deck, aufs Wasser und rufen verschiedene sanfte Geräusche vom Wasserfall des Himmels hervor. Sie fallen an diesem Donnerstag sehr besonders auf. Schon sehr lange ist es her, dass es geregnet hat. Wir liegen in einer Bucht befestigt mit Anker und vier Landleinen. Von drei Seiten sind wir gut geschützt durch die waldig-hügelige Insel.
Ein sonnenreicher September von Anfang bis Ende liegt hinter uns. Angefangen bei der fast schon heissen, abwechslungsreichen Segelwoche mit Freunden, in der wir von Flaute bis Starkwind das ganze Spektrum des Windes erlebten. Vor allem entdecken wir die unberührte Natur in den entlegenen Ankerbuchten und einsamen Inseln. Unsere Freundin, eine Vogelliebhaberin, hat in 18 Tagen Norwegen rund 50 verschiedene Vogelarten gehört und/oder gesehen. Den Seeadler erspähen wir fast täglich – einmal kreisen sechs von ihnen unweit von uns. Atemberaubend wie diese Tiere in den stürmischen Böen durch die Luft gleiten.
Dann kommen weitere Freunde hinzu und wir verbringen eine Woche bei einer Alpaca Farm mit zwei Iglus. Im Iglu gibt es ein Doppelbett in einer gemütlichen Atmosphäre mit Tischchen und Sesseln unter dem transparenten Gewölbe mit Sicht auf den Sternenhimmel. Ein Iglu ist am Meer, das andere auf etwa 60müM auf einem Hügel mit Aussicht über die Insellandschaft. Abends kochen wir über dem Feuer während der Himmel uns klare Sternenbilder und die Mondfinsternis zeigt. Die Polarlichter tanzen vor Freude gleich mehrmals am Himmel. In der Dämmerung ziehen Schweinswale ihre Kreise. Ihre Atmung schwingt friedlich in der Atmosphäre und in der Glut garen Kartoffeln und Gemüse. Frisch gepflückte Steinpilze, Eierschwämme und Beeren sowie selbst geangelte Fische bereichern unseren Speiseplan. Mit dem Kajak und unserem Beiboot Mr. Wombat erkunden wir umliegende Inseln und nehmen fast täglich ein erfrischendes Bad am Strand – so erleben wir das Meer hautnah. Barfuss wandern wir auf weichem Waldboden zu einem Aussichtspunkt und wir bestaunen Aroha in der Ankerbucht unter uns. Seit drei Jahren schwimmt sie im Wasser und wir feiern neben ihrem Geburtstag auch weitere.
Wir reden über grosse Visionen und darüber, was es mit uns macht, wenn wir uns gegenseitig die grössten und buntesten Bilder der Zukunft sprechend malen und verfeinern lassen. Und wir machen solche vielleicht lustig wirkende Dinge wie tanzend unter dem Vollmond-Himmel zu trommeln. Wenn das Feuer der Dankbarkeit fürs Leben sich in freien Tänzen Ausdruck durch meinen Körper schenken möchte.
Mitte September ist Aroha wieder nur noch von uns bewohnt. Es sind keine weiteren Termine geplant, und wir müssen/dürfen uns selbst organisieren. Am Tag der Abreise unserer Freunde regnet es wie aus Eimern. Die Stimmung ist leer. Von gefüllten, verbindenden Tagen voller Sonnenschein hinein in den Regen und ein „Nichts“.
Was wollen wir überhaupt? Was brauchen wir, damit die Lebensenergie fliesst?
Ein warmes Zuhause und grosse, vielseitige Lebensmittelvorräte, das bietet die Aroha. Weiter wäre ein Stecker mit Landstrom vielleicht ganz entlastend für den Generator und die Batterien. Die Sonne kommt am kürzesten Tag für rund 4.5 Stunden und max. 3 Grad über den Horizont. Das sind äussere Bedingungen. Doch was brauchen wir auf mentaler und emotionaler Ebene?
Was ist es, dass ich morgens auch bei 13 Grad im Schiff eine Wärme und Geborgenheit verspüre? Tägliche Bewegung in verschiedensten Formen, das mag ich. Dehnen, kräftigend, verspielt, perspektivenerweiternd auf dem Kopf, jeden Tag etwas anders. Das tut mir nicht nur körperlich sondern vor allem mental gut.
Im September hatten wir Gelegenheit jemanden von euch Leserinnen und Lesern des Kielwassers persönlich am Ufer kennen zu lernen. Wie toll ist das? Das schenkt mir Energie – zu wissen, dass nicht nur Familie und Freunde mit uns auf Reisen sind, sondern auch viele andere Menschen, die sich mit uns verbunden fühlen.
Menschen, die mit uns letzten Winter durch das „44 Tage autark“-Projekt, dann durch die lichtvollen Sommermonate gereist sind und nun auch wieder in der dunkleren Jahreszeit gespannt mitlesen. Wenn wir hier bleiben, wird es der dunkelste Winter, den wir je erlebt haben.
In den letzten Tagen haben wir einige aus dem Frühling bekannte Einheimische wieder getroffen. Mit Menschen in Kontakt sein, digital und in der direkten Umgebung, das bereitet mir Freude.
Was konkret wir diesen Winter machen und wo wir ihn verbringen, steht immer noch in den Sternen.
In diesem Sinne, schön, dass du mit uns mitreist. Wir freuen uns auf gemeinsames (er)Leben.
Geschrieben von Stefanie Julia
Momente der gemeinsamen Freude wünschen dir
Stefanie Julia und David mit Aroha










