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44 Tage autark #43: Die Hektik der Zeit reist in unseren Köpfen

Ein Gnom auf einer Steinmauer

Die verschluckende Mystik des gegenwärtigen Erfahrens auf alten, zeitlosen Wegen.

Eine Wanderung zum Gipfel der Insel schwebt uns heute vor. Mit 1.5l Tee und Pistazien im Rucksack paddeln wir mit dem Beiboot an den schönen Anlegesteg vom Ferienhaus. Unsere Hände haben richtig kalt vom Halten der Aluminiumpaddel. Um möglichst schnell diese Paddel wieder aus den Händen zu bekommen, geht es im Schnellrudergang übers Wasser. Gleichzeitig ist es spannend immer wieder auf den Grund zu schauen und zu beobachten, was unter einem durchzieht. Das Wasser ist glasklar, eisig kalt und nur der Fischreiher vermag es stundenlang auf seinen dünnen Beinen durchs Wasser zu stelzen.  

Immer wieder trifft man sie an. Skurril und interessant, wenn sie nur mehr über die eigene Geschichte erzählen könnten. Auch an diesem Steg ist ein solches halbwegs gesunkenes Ruderboot. Festgemacht am Steg, zu 3/4 unter Wasser. Kaum Algen sind angesetzt, so fristet es wohl sein Dasein noch nicht lange gefüllt mit Wasser. 
Vom Steg zum Ferienhaus führt ein sehr alter Weg. An vielen Stellen ist ersichtlich, dass es sich hierbei um einen früheren Hof handelt. 

Die Bäume und Steine sind von einer dicken, weichen Moosdecke eingepackt. Der Wald ist verwunschen, weich und es ist ruhig, fast so als würde die Moosdecke Geräusche verschlucken. Gefühlt wird die Hektik der Geschichte in diesem zusammenhängenden Organismus gedämmt oder gar verschluckt. 
Ein spezielles Erlebnis begleitete uns vor einigen Tagen als wir zum ersten Mal in diese Bucht einfuhren. Kurz vor der Einfahrt kroch uns der Nebel auf dem Wasser entgegen. Und als uns die Bucht umschloss, legte sich ein dumpfer Druck auf das Gehör. Alles wurde leiser und wir hatten Mühe uns zu verständigen. Trotz Bemühungen den Druck auf den Ohren zu entlasten, begleitete uns das Phänomen bis in die Nacht. Ob dies wohl eine abrupte Luftdruckänderung war? Kennst du solche abrupte Realitätsveränderungen in deinem Erleben? Liegt der Ursprung in den äusseren Gegebenheiten oder doch in unserem eigenen Erleben? Eine weitreichende Frage. 

Manchmal ist in der Ferne ein Auto zu hören. Diese Ruhe und Stille nach einer stürmischen Zeit hat immer wieder eine ganz besondere Kraft. Keine Wellen, die tosen, kein Rauschen der Bäume, einfach nichts, ausser die eigenen Schritte, die über dem Kiesweg knirschen. 

Irgendwann ist eine kleine Abzweigung nach links zum Gipfel, von jetzt an geht es auf einem Trampelpfad weiter. Eine majestätische, viel verzweigte Föhre markiert den Eingang des Weges. 

Oben angekommen ist klar, dies ist kein Ort zum Tee trinken und Pistazien knabbern. Es gibt keine Aussicht auf dem flachen, bewaldeten Gipfel und eine Antenne markiert summend ihre Präsenz. So geht es wieder ein Stück zurück, auf einem Stein, gut positioniert mit Aussicht in die Schneeberge und der Sonne im Gesicht. Unsere Füsse gehen einen anderen Weg entlang bis zu dessen Ende. Ein liebevoll, gepflegtes Grundstück mit auffällig vielen Tonfiguren. Und siehe da, auch hier geht ein sehr alter, steinerner Pfad weiter über die Wiese und in den Wald zu einem Gnom.
Die Sonne sinkt hinter einem grossen Schneeberg unter den Horizont und so ist es Zeit über die alten Wege zur Aroha zurück zu gehen und ein Feuer für die kommende kalte Nacht zu entfachen.

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