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44 Tage autark #44: Sonne, Eis und Glaube

Das vereiste Beiboot vor dem spiegelglatten Meer, ein waldiges Ufer

Der 44. Tag autark ist nun Erinnerung. Das Erleben der 44 Tage ist nun kein Glaube mehr, sondern es ist in Realität erfahren.

Es gibt Tage, da liegt die Vorstellung und die Realität nicht beisammen. Im Erleben wird dies umso unangenehmer, je mehr man an der Vorstellung verhaftet. Durch diese Bestätigung der Differenz ist das Leben leidvoll. 

Mein (Julias) Morgen verlief grössten Teils in einem anders haben wollen, als was bereits schon ist. Und am Mittag war es die Vorstellung an der Sonne zu sein und so war hier in dieser schattigen Bucht keine Zufriedenheit mehr zufinden. 

Der Start der Suche nach der Sonne beginnt im vereisten Beiboot. Die Hände umklammern die vereisten Aluminumrohre der Paddel. Auch gut, dass man da nicht kleben bleibt. Und ja, auch wir fragen uns jetzt beim Schreiben, warum wir eigentlich keine Handschuhe angezogen haben. Mit kalten Händen geht es das Land hinauf, aber dieses Mal nach links. 
Es geht vorbei an einen im Schatten telefonierenden Taxifahrer den Wiesenabhang hoch ins goldige Sonnenlicht.
Ein gemütliches Sitzen in der Sonne und Stück für Stück rückt das Wollen und das was ist auf einen Punkt. 

Bei der Einfahrt in die Bucht war ein skurriles Giebelhaus ersichtlich. Der Karte nach soll es eine Kirche sein. Und genau dahin geht jetzt der Weg. 
Überirdische Stromleitungen sind in Norwegen stets eine spannende Angelegenheit. Durchaus häufiger ist es den Bäumen genehm ihre Glieder darauf abzustützen. Kein Wunder werden hier vielfach ummantelte Leitungen verlegt. So ist es nachvollziehbar, dass die Stromversorgung der Aroha erfahrungsgemäss zuverlässiger ist als die an Land. Schon länger habe ich (David) mich gefragt, wann einfachheitshalber die Bäume als Strommast genutzt werden. Und genau dies ist heute der Fall. Von Föhre zu Föhre geht die teilweise tiefhängende Leitung zu der besagten Kirche. 

Eine traumhafte Lage, doch kein Leben an diesem Ort. Günstig gebaut und die Baupaletten liegen seit vielen Jahren im Gebüsch und warten auf ihre wohl nie stattfindende Entsorgung. Hat Glaube nicht etwas mit Freude, Hingabe und Gemeinsamkeit zu tun? Jedoch scheint für diesen Ort davon nichts übrig zu bleiben. Obschon hier eindeutig praktiziert wird.  

Hingabe und Freude ans gegenwärtige Leben ist ein Geschenk an dich selbst. 
Heute ist der 44. Tag und es bereitete uns Freude diese Worte zu schreiben. Und vielleicht waren diese Worte ein Tor in eine andere Welt. Umso schöner, wenn dies Freude und Inspiration erschuf. Wir sind nun 44 in Worte gefasste Tage reicher.
Danke, dass diese Worte in dir eine Realität erschaffen durften.

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