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44 Tage autark #37: Die raue Schönheit

Stadlandet - Westkap

Die raue Schönheit von Wasser und Land im Übergang.

Der morgendliche Blick in die Vorhersagen für den heutigen Tag ist positiv. Etwas mehr Wind und keine wesentlich höhere Welle. Im Morgengrauen lichten wir den Anker, die Fahrt geht vorbei an Industrie und Wohnhäusern. Auf Backbord zieht eine grosse Kirche mit zwei Friedhöfen vorbei. Ob hier wohl Seeleute, die am Kapp ihr Leben gelassen haben, begraben sind?

Die Segel sind gesetzt, der Motor aus, die Fahrt anfangs bei 4.5kn, irgendwann fällt sie unter 2kn. Das ist dann auch für heute ein zu langsamer Tagesschnitt und so läuft die Maschine wieder. Der Wind unterstützt immer mal wieder unsere Fahrt, aber ohne Konstanz. So verliert er sich wieder oder wechselt seine Richtung.
Der Nebel zieht den schroffen Felswänden empor und die Brandung wird immer lauter, je näher wir den Felsen kommen. Rau und blank gewaschen bis einige Höhenmeter hinauf. Es macht den Anschein, dass dies sogar den Miesmuscheln zu viel ist.

Ein Stück grüne Wiese liegt oberhalb des Felsbandes und promt stehen ein paar Häuser und ein Bauernhof drauf. Bestimmt kommt die Gischt der Brandung bei auflandigem Sturm bis über die Häuser. Was waren das wohl für Menschen, die sich hier niederliessen?

Die Berge liegen im Nebel.

Das wilde Potential dieser Gegend ist auch an diesem Tag erkennbar. Zwar sind die Wellentakte und -Höhen moderat (1.5-2m im 9sec Takt), jedoch gibt es Abschnitte in denen die Wellen aus drei unterschiedlichen Richtungen für ziemlich wirre und schaukelige Bewegungen sorgen.

Es ist gut nachvollziehbar, dass die Wikingerschiffe so ausgelegt waren, dass sie über lange Strecken gut zu rudern sind. Überhaupt wurde Norwegen vom Wasser aus besiedelt. Es erinnert uns öfter an die schweizer Alpen. Ist ein Stück bewirtschaftbares Land vorhanden, wurde es genutzt. Nur mit dem Unterschied, dass praktisch alles an hervorragend erschlossenen Wasserstrassen liegt.

Auf der Leeseite fällt der Nebel die Klippe herunter und löst sich allmählich auf. Die Segel füllen sich wieder und ziehen die Aroha langsam Richtung Nordosten. Die Sonne drückt sich durch den Dunst und lässt die Inselrücken im goldigen Licht erscheinen. Genüsslich strecken wir die Gesichter dem warmen Licht entgegen.

Bei leichter Briese und schönstem Sonnenuntergang beisst sich der Anker in den sandigen Grund. Während draussen das „Alpenglühen“ stattfindet, gibt es im warmen Schiffsinnern einen Apero mit Wasserkefir. Wir sind richtig, richtig müde. Da ist es gerade richtig, um noch zwei YouTube Videos über die Nord-West-Passage anzuschauen und uns früh in die Achterkabine ins Bett zu legen um noch etwas in die Sterne zu schauen.

Was fühlst du, wenn du in die Sterne schaust?

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