Ein sicherer Ort für die kommenden Stürme, vor oder nach dem Kapp?
Die Frage, wann wir das „Westkapp“ Stadlandet umrunden, steht heute vor der Abfahrt auch wieder im Raum. Falls wir es nicht umrunden, würden wir uns in einem der Fjorde hier für die bevorstehenden Stürme ab Samstag sicher vertäuen. Bei guten Wetterbedingungen fahren wir frühestens Mittwoch, vielleicht auch Donnerstag oder Freitag ums Kapp. Danach ist aufgrund der vorausgesagten Stürme bis auf weiteres kein Windfenster mehr in Sicht.
Das Kapp Stadlandet ist eines der gefährlichsten Seegebiete Norwegens. Viele Norweger haben uns vor diesem Kapp gewarnt. Letztes Jahr ist hier ein nachgebautes Wikingerboot gekentert, wobei eine Person ums Leben gekommen ist. Das Risiko der gefährlichen Kreuzsee bei dieser westlichen Landzunge hat schon viele Schiffe gefordert. So hat die norwegische Regierung vor einigen Jahren beschlossen einen 1.7 km langen Tunnel zu bauen. Damit können sogar Kreuzfahrtschiffe hindurchfahren und müssen zukünftig nicht mehr durch die wilde Nordsee fahren. Ein gigantisches Projekt.
Für einen Erfahrungsbericht haben wir noch eine Frau angeschrieben, die wir aus den sozialen Medien „kennen“. Sie ist schon mehrmals in dieser Gegend gesegelt und war letztes Jahr mit dem Segelschiff am Nordkapp. Sie berichtet uns detailliert ihre Erfahrungen. Es ist sehr wertvoll eine weitere Meinung zu haben, schliesslich sind wir noch nie in dieser Region gesegelt.
Die Bedingungen sehen immer besser aus. Am Montag waren noch bis knapp 5m Welle in den Spitzen für Mittwoch angesagt. Unser heutiges Tagesziel führt uns bis kurz vor das Kapp, um es gegebenenfalls am Mittwoch umrunden zu können.
Das Ankerlichten geht mühelos, kaum Wind und Welle am Ankerplatz. Das lässt auch für die weitere Fahrt auf wenig Wind hindeuten. Wir setzen das Gross und den Klüver, segeln mit Motorunterstützung und essen Frühstück. Um vor Sonnenuntergang in der Bucht anzukommen, ist es nötig 5-6kn zu laufen. Und ein bisschen Reserve obendrauf, da der Ankergrund anhand der Seekarte ziemlich ungeeignet aussieht. Falls der Anker nicht hält, geht es noch eine Stunde weiter zum nächst gelegenen Ankerplatz.
Die Fahrt geht vorbei an spektakulären Felswänden und Berggipfeln im leichten Nebel. Und am Horizont Berggipfel mit Schneehauben.
Der Anker findet schliesslich halt und so verbringen wir die Nacht am Rand eines Fjordes, kurz vor dem Absprung zur Kappumrundung. Ein spannender Ankerplatz so mitten im Industriegebiet und neben der Schifffahrtsroute. So liegen wir im Bett und hören immer wieder das Brummen eines vorbeifahrenden Frachters. Die finale Entscheidung treffen wir morgen früh beim erneuten Blick in die Vorhersagen.






